Haus im Winter mit Schnee bedeckt – Symbol für steigenden Heizenergiebedarf bei kalten Außentemperaturen

Warum der Heizenergiebedarf bei sinkenden Temperaturen deutlich ansteigt

Wenn die Temperaturen draußen sinken, steigt der Energieverbrauch zum Heizen spürbar an.
Viele Menschen empfinden das als überraschend, denn die Außentemperatur fällt scheinbar
gleichmäßig – Grad für Grad. In der Praxis zeigt sich jedoch: Je kälter es wird,
desto stärker nimmt der Energiebedarf zu.

Dieser Artikel erklärt, warum das so ist, wie sich der Heizbedarf bei verschiedenen
Temperaturen entwickelt und was dabei für Gas-, Öl- und Wärmepumpen gilt.

Das Grundprinzip: Der Unterschied zwischen drinnen und draußen

Ein Gebäude verliert Wärme immer dann, wenn es innen wärmer ist als außen.
Entscheidend ist dabei der Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur.

Je größer dieser Unterschied ist, desto mehr Wärme geht kontinuierlich über Wände,
Dach, Fenster und Lüftung nach draußen verloren – und desto mehr Energie muss die
Heizung nachliefern.

Für die folgenden Beispiele gehen wir von einer konstanten Innentemperatur
von 20 °C aus.

Wie stark steigt der Heizenergiebedarf bei Kälte?

Außentemperatur Temperaturunterschied Relativer Heizbedarf
+5 °C 15 Grad 100 % (Referenz)
0 °C 20 Grad ca. +33 %
–5 °C 25 Grad ca. +67 %
–10 °C 30 Grad ca. +100 %
–15 °C 35 Grad ca. +130 %

Schon hier wird deutlich: Sinkt die Außentemperatur weiter unter null,
steigt der Heizenergiebedarf immer schneller an. Zwischen +5 °C und –15 °C
ist mindestens das Doppelte und in weniger gut isolierten Gebäuden ein
Vielfaches an Heizenergie erforderlich.

Warum jeder weitere Minusgrad mehr Energie kostet

1. Ständige Wärmeverluste über die Gebäudehülle

Wände, Dach, Fenster und der Keller verlieren bei größerem Temperaturunterschied
dauerhaft mehr Wärme. Diese Verluste wirken rund um die Uhr – nicht nur kurzzeitig.
Die Heizung muss daher nicht nur stärker, sondern vor allem länger arbeiten.

Der Grund, warum der Heizenergiebedarf steigt, wenn es draußen kälter wird, liegt an einem physikalischen Prinzip: Je größer der Unterschied zwischen der Innentemperatur und der Außentemperatur ist, desto mehr Wärme geht durchs Haus verloren. Dieses Prinzip nennt man das Fouriersche Gesetz der Wärmeleitung. Mehr dazu gibt es auf tec-science.com.

2. Mehr Energie für Frischluft

Kalte Außenluft muss beim Lüften oder durch unvermeidliche Undichtigkeiten
im Gebäude von sehr niedrigen Temperaturen auf angenehme Raumtemperatur
erwärmt werden. Bei weiter sinkenden Temperaturen wird immer mehr Energie benötigt.

3. Auskühlung von Wänden und Böden

Bei länger anhaltender Kälte kühlen nicht nur die Räume aus, sondern auch
Wände, Decken, Böden und Möbel. Beim Nachheizen muss daher nicht nur die Luft
erwärmt werden, sondern auch diese gespeicherte Kälte wieder ausgeglichen werden.

Gas- und Ölheizungen: Steigender Verbrauch im Winter

Bei Gas- und Ölheizungen führt starke Kälte zu:

  • längeren Laufzeiten des Brenners
  • häufigeren Start- und Stoppvorgängen
  • höheren Wärmeverlusten über Abgase

Der Brennstoffverbrauch steigt dadurch nicht nur wegen des höheren Heizbedarfs,
sondern auch, weil die Heiztechnik unter Volllast weniger günstig arbeitet.

 

Der Heizenergiebedarf steigt, wenn die Heizung weiter aufgedreht wird
Ein Grad kälter im Wohnbereich bringt deutliche Einsparungen, besonders bei sinkenden Temperaturen

Wärmepumpen im Winter: Was ist hier anders?

Wärmepumpen erzeugen keine Wärme durch Verbrennung. Stattdessen entziehen sie
der Umwelt Wärme – zum Beispiel aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem
Grundwasser – und heben diese mithilfe von Strom auf ein nutzbares Temperaturniveau an.

Man kann sich das wie einen umgekehrten Kühlschrank vorstellen:
Wärme wird von draußen nach drinnen transportiert.

Warum Kälte für Wärmepumpen eine besondere Rolle spielt

Je kälter die Umwelt ist, desto weniger nutzbare Wärme steht zur Verfügung
und desto mehr Strom benötigt die Wärmepumpe, um daraus Heizwärme zu machen.

  • bei milden Temperaturen arbeitet sie sehr stromsparend
  • bei Frost steigt der Strombedarf deutlich
  • bei starkem Frost muss sie besonders viel leisten

Abtauvorgänge bei Frost

Bei Luftwärmepumpen kann sich bei kalter und feuchter Witterung Eis am
Wärmetauscher bilden. Dieses Eis muss regelmäßig entfernt werden.
Während dieser Zeit wird mehr Strom verbraucht, ohne dass Heizwärme entsteht.

Bedeutung von Dämmung und Heizsystem

Wärmepumpen arbeiten besonders gut in gut gedämmten Gebäuden mit niedrigen
Heiztemperaturen, zum Beispiel mit Fußbodenheizung oder großen Heizflächen.
In weniger gut gedämmten Häusern steigt der Heizbedarf im Winter deutlich stärker an.

Fazit: Kälte wirkt sich stärker aus, als viele erwarten

Auch wenn die Außentemperatur gleichmäßig fällt, steigt der Heizenergiebedarf
immer stärker, je kälter es wird. Der Grund dafür liegt in:

  • dem wachsenden Unterschied zwischen Innen- und Außentemperatur
  • dauerhaft höheren Wärmeverlusten
  • der zunehmenden Belastung der Heiztechnik

Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Heizkosten besser einordnen.

Tipps zum Energiesparen beim Heizen gibt es hier in unserem Artikel Heizkosten senken

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